Wo ist nur die Musik geblieben: Teil 2

Bedauerlicherweise gibt es immer weniger Besucher von Livekonzerten, ausgenommen der Top 10 Künstler und der grossen Festivals. Warum ein Konzert besuchen, für das man viel Geld bezahlen muss, wenn man es sich mit seinen Freunden auch zu Hause auf YouTube anschauen kann. Ist ja das Gleiche.

Vor allem die kleinen Bands, die nicht im Top Ranking von Spotify und co. stehen haben es schwer. Die Bands, die einen kleinen Club zum Beben bringen und den Schweiss von der Decke regnen lassen können.

Die Musikgrössen aus vergangen Tagen schaffen es heute mit Leichtigkeit ein Stadion mit Fans zu füllen. Doch die haben auch einmal Klein angefangen und waren nicht auf irgendwelchen „Das könnte dir Gefallen“-Listen zu finden.

Messen sich Musiker heute nur noch durch Downloadzahlen und Instagramfollower?

Livekonzerte sind nicht nur eine Ansammlung an Künstlern auf der Bühne, die Ihr Repertoire runterspielen. Livekonzerte sind Emotionen, Begegnungen, Erlebnisse, die man nicht kaufen kann.

Es beginnt mit der Vorfreude wenn endlich der grosse Tag gekommen ist und am Abend findet ein Konzert statt, von einer Band, die man unbedingt sehen will. Man bereitet sich vor und hört Tage vorher die neuste Platte und die grössten Hits, damit man auch Textsicher ist, wenn es soweit ist.

Zu Hause trifft man sich mit dem Kumpel oder der Freundin / Frau und trinkt schon beim fertigmachen ein Bier und im Hintergrund laufen die grössten Hits. An der Konzertlocation angekommen trifft man Andere, die ebenfalls nur wegen der Musik da sind. Gleichgesinnte, Energiegeladene.

Vor der Bühne wartend vergehen die Minuten, bis endlich das Licht ausgeht. Das Publikum jubelt, die Menge klatscht, die Fans pfeifen!

Die Lichter erhellen sich erneut und neigen sich auf die Bühne, wenn das erste Bandmitglied auf die Bühne geht. Die Menge klatscht noch lauter und die Fans beginnen langsam unruhig zu werden.

Dann ist es soweit. Der Saal wir in helles Licht getaucht, der erste Drumstick berührt die Snare, der erste Finger eine Bassseite, das Plektrum crasht in die Saiten der E-Gitarre, der Leadsänger springt auf die Bühne und mit einem energiegeladenen Song wird der Abend eröffnet!

Das Publikum jubelt, die Menge Klatscht und die Fans feiern und tanzen, als gäbe es keinen Morgen mehr!

Das ist ein Erlebnis. Das ist ein Gefühl von Freiheit. Das ist „sich fallen zu lassen“. Das ist eine Methode sich mental zu entspannen. Das ist eine Möglichkeit Stress abzubauen. Das ist eine Lösung um aus allen Zwängen zu fliehen (kurzfristig).

Doch erst wenn der letzte Club geschlossen und der letzte Künstler abgetreten ist, wird man erkennen, dass man geile Atmosphäre nicht „downloaden“ kann.

Wo ist nur die Musik geblieben?

Wer nimmt sich heute noch die Zeit bewusst ein ganzes Album anzuhören? Das ist für viele schon Stress. Man könnte in der Zeit ja neue Bilder auf Instagram laden, die Exfreundin auf Facebook stalken oder nach der neuen Kollektion von Zara googeln.

Mal Hand aufs Herz: wann war das letzte Mal, dass ihr euch bewusst ins Wohnzimmer gesetzt habt, eine CD eingelegt, eine Schallplatte aufgelegt oder bei Apple Music Start gedrückt habt und einfach nur der Musik gelauscht habt. Ohne iPhone, iPad oder sonstigen Ablenkungen in der Hand? Wahrscheinlich könnt ihr euch nicht mehr daran erinnern. Schade eigentlich.

Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, als Musik noch auf Schallplatten und Kassetten abgespielt wurde, hat man bewusst noch ein ganzes Album durchgehört und wurde nur dadurch unterbrochen, dass man die Platte / Kassette drehen musste.

Heute klickt man sich in Sekunden durch einzelne Lieder und entscheidet anhand der ersten ein bis zwei Takte, ob der Song gut ist oder nicht.

Obwohl ich auch die Vorzüge der Streamingdienste geniesse, freue ich mich immer noch die CD- und Schallplattenregale zu durchforsten, immer auf der Suche nach neuen Entdeckungen, die ich bewusst vom Ersten bis zum Letzten Song höre, um mir dann eine Meinung zu bilden, ob der Künstler was taugt oder nicht.

Es steckt eine wahnsinnige Arbeit dahinter, ein Album aufzunehmen und zu produzieren. Ich respektiere die Künstler, die den Mut, die Leidenschaft und die Überzeugung Ihrer Musik haben und es geschafft haben in einem Regal zu stehen.

Deshalb kaufe ich noch CDs, beziehungsweise Schallplatten.

Ich persönlich glaube daran, dass ich dem Künstler oder der Band mit dem Kauf einer CD oder Schallplatte meinen Respekt zolle, sie unterstütze und sie nicht nur im Sekundentakt für eine Monatspauschale auf meinem Smartphone durchklicke.