Liebes Finanzamt, mach mir das Leben schwer

Alle Jahre wieder muss ich mich über ELSTER aufregen. Das Onlinetool für die Steuer.

Aktuell kümmere ich mich um die Steuererklärung meiner Grosseltern, die in einem kleinen beschaulichen Örtchen im schönen Schwarzwald leben.

Mit 86 Jahren kann man verstehen, dass es ihnen schwerfällt die Steuererklärung selbst zu machen. Obwohl es ja eigentlich Elster Online gibt, was das ganze vereinfachen soll und auch für ältere Menschen eine Erleichterung bringen soll.

Ich, aufgewachsen mit den ersten PC’s, dem Internet, allen mobilen Endgeräten, die einem heutzutage das Leben einfacher machen, sitze an meinem Laptop und versuche verzweifelt das „Elstersystem“ zu verstehen.

Es fühlt sich so an, als würde das Finanzamt, respektive Elster absichtlich versuchen den Login für die Steuererklärung zu einem Ding der Unmöglichkeit zu machen.

Ist es so schwer einen Login zu gestalten? Gefühlt werden da Millionen an Steuergeldern versenkt für irgendwelche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, um herauszufinden, wie man die Leute noch etwas mehr ärgern kann.

Auf der ELSTER Homepage gibt es mehrere Auswahlmöglichkeiten. Was sich hinter dem ersten Button verbirgt, habe ich mir schon gar nicht durchgelesen, denn im Namen „Login mit Zertifikatsdatei“ steckt schon „Aufwand“. Außerdem habe ich das bereits im Vorjahr gemacht und natürlich die Zertifikatsdatei nicht gespeichert. Warum auch? Habe gedacht ich brauche das Ding nur einmal.

Die nächste Möglichkeit ist „Login via Personalausweis“. Dafür muss ich irgendeine AusweissApp runterladen und dazu muss ich irgendwann den Personalausweis in das Kartenlesegerät stecken. Keine Ahnung woher ich das Ding bekommen soll, aber der Personalausweis muss vom Bürgeramt freigeschaltet werden. Meine Güte. Das ist ja noch schlimmer als die Zertifikatsdatei.

Nächster Punkt „Mobiler Login“. Juchuu! Klingt einfach, gelernt und klingt erfolgversprechend. Die Anleitung besteht nur aus zwei Punkten. Punkt Nummer 1: „Lesen Sie die Transaktionsnummer (TAN) 1 von Ihrem mobilen Gerät ab.“

Woher soll ich das ablesen und woher bekomme ich die (TAN)1? Ok. Sorry. Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Oben drüber steht, ich brauche die App. Nichts leichter als das. Zwei Fix Drei und die App ist auf dem Smartphone.

Erste Reaktion auf der gestarteten App: Bitte loggen Sie sich ein. Kein Problem. Eigentlich denkt man jetzt daran einen Benutzernamen und ein Passwort einzugeben, doch falsch gedacht. Es fängt mit dem Bildschirm „Vorbereitungen“ an: „Um sich mit ElsterSmart bei ELSTER einloggen zu können, benötigen Sie Ihr Zertifikat“.

FUCK! Ok. Was gibt es noch für Auswahlmöglichkeiten?

„Sicherheitsstick“. Was soll das sein? Back to the roots? Ich klicke drauf und schon kommt: „Bitte wechseln Sie zu mobiles Login“. Ok. Wieder zurück.

Ohne Zertifikatsdatei geht das wohl wirklich nicht. Dann beantragen wir das doch mal. Emailadresse eingeben, Bestätigungsmail abwarten und Aktivierungslink klicken. Schön und gut.

Sehr geehrter Herr Mustermann,

vielen Dank für die Erneuerung Ihres Zugangs zu Mein ELSTER – Registrierungsart Zertifikatsdatei.

Mit dieser E-Mail erhalten Sie die persönliche Aktivierungs-ID für Ihr Benutzerkonto bei Mein ELSTER.

Die Aktivierungs-ID benötigen Sie für den zweiten Schritt der Zugangserneuerung zusammen mit dem Aktivierungs-Code, den Sie gesondert per Post erhalten. Bewahren Sie deshalb diese E-Mail unbedingt auf, bis auch der Brief mit dem Aktivierungs-Code bei Ihnen vorliegt. Für die Zusendung des Aktivierungs-Codes wird die zu Ihrer Identifikationsnummer gespeicherte Adresse verwendet.

Benutzername des Kontos: MUSTERMANN
Aktivierungs-ID: 837583745929129476754872387

Nachdem Sie den Brief mit Ihrem persönlichen Aktivierungs-Code erhalten haben, folgen Sie bitte dem nächstem Schritt der Zugangserneuerung unter
https://www.elster.de/eportal/erneuereZugang/Eingabe

Jetzt mal ganz im Ernst. Ich glaube es ist einfacher einen Zugang für das Pentagon mit höchster Sicherheitsfreigabe zu bekommen als für Elster.

Warum wird es einem so schwer gemacht? Das ganze Zinnober kann man ja einmal über sich ergehen lassen, aber danach reicht doch Login und Passwort.

Ich warte jetzt mal auf den Aktivierungssystem-Code.

MKULTRA 2.0

1953, im Zuge des kalten Krieges, hatte die CIA ein umfassendes geheimes Forschungsprogramm zur Bewusstseinskontrolle, was aufgrund von Menschenrechtsverletzungen eingestellt wurde.

Heute, 66 Jahre später, stellen sich die Nutzer des Internets dieser Bewusstseinskontrolle freiwillig als Teilnehmer gratis zur Verfügung.

Jede Homepage die aufgerufen wird, jedes Produkt das online gekauft wird, jedes Bild das auf Facebook oder Instagram gepostet wird macht uns zu einem immer gläsern werdenden Code aus Nullen und Einsen, der irgendwo auf Servern gespeichert und ausgewertet wird.

Durch intelligente Algorithmen, die eine Horde an Genies in Kellern und Großraumbüros konzipiert haben, lassen sich Verhaltensweisen vieler Menschen vorausberechnen und durch clevere Interpretation der vorliegenden Daten steuern.

So ziemlich alles ist heutzutage mit dem Internet verbunden und der digitale Fortschritt, wenn man das so sehen mag, geht weiter.

Wer hätte 1953 daran gedacht, dass man den Tagesablauf eines Menschen anhand einer Kaffeemaschine teilweise bestimmen kann? Klingt etwas abstrakt?

Ist es aber nicht. Die neuen Kaffeemaschinen sind grösstenteils mit dem WLAN verbunden, damit man morgens auf der Toilette per App den Kaffee durchlaufen lassen kann, sofern man nicht vergessen hat die Tasse am Vorabend bereitzustellen.

Nehmen wir mal die Daten von zwei Jahren aus einem Haushalt mit einer Person. Anhand dessen kann bestimmt werden, wann die Person täglich um wie viel Uhr wie viel Kaffee trinkt.

Und nicht nur das. Sobald die Kaffeebohnen dem Ende zugehen, kommt eine Benachrichtigung per App inklusive einem Kaufangebot für frische Bohnen.

Und die Falle schnappt zu.

Der kleine Ausflug in die Welt der digitalen Kaffeemaschinen ist nur ein minimaler Bruchteil, wie wir unbewusst/bewusst beeinflusst und kontrolliert werden.

Sidney Gottlieb hats begonnen, Alexa hats professionalisiert.